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«Ritterzeit» zwischen Facts und Fiction im Spätmittelalter 

Burgen haben es in sich, sie faszinieren und projizieren (Traum)Bilder in uns einer längst vergangener Zeit, die es meist so gar nie gegeben hat. «Und kaum ein Thema wie Burgen und Ritter wurde und wird in der Geschichte meist so farbig dargestellt und so verzeichnet Sagen erzählen von Bewohnern der Wehrtürme und Zwingburgen als Feinden der Freiheit, als Raubritter, als mädchenraubenden Tyrannen» (aus dem Begleitband «mitenand 2», vgl. Lehrmittel auf dieser Website downloadbar).

Der beste Weg, nicht ins historische Fettnäpfchen zu treten ist der Spaziergang zur nahen Ruine. Einfacher als jede noch erhaltene Burg, weil diese meist ein komplexes Geschichtsbild wiedergibt. Oft ist der mittelalterliche Teil von einem eidgenössischen Landvogteischloss «ummantelt», das die verschwundene Ritterzeit kaum wiedergibt. Eine Ruine hingegen kann mit den Lernenden wieder aufleben. Sie wird ausgemessen und in einer Art «tableau vivant» rekonsturiert und mit kindlicher Fantasie skizziert. Das gibt ein authentisches Resultat, das nun gemeinsam & lerngerecht mit Beschreibungen und Quellenbildern aus der fernen Zeit dekonstruiert werden kann. So wird jener fachdidaktisch Anspruch erfüllt, das historisches Denken nachhaltig zu fördern. Eine vorprogrammierte Sternstunde wäre schlussendlich die gespielte und besprochene Königskrönung nach mittelalterlichem Ritual in der einstigen Burgkapelle (she unten).

Darüber hinaus heisst es aber auch, sich mit dem «finster hellen» Spätmittelalter und all seinen Facetten von Ritualen der Macht und ihrer Symbolik zu befassen!

Das Lernbild unten stammt aus «mitenand 2» • Begleitband Spätmittelalter © DST 

UND HIER NOCH ZUSAMMENFASSEND AUS DITTMER/SIEGFRIED: SPURENSUCHER; BELTZpraxis / freie Bearbeitung DST: Eine Geschichte haben, sich erinnern können, ist ein untrügliches Zeichen unseres Menschseins. Und jedes Land, das eine Geschichte hat, besitzt auch einen Geschichtsmythos. Wie damit umgegangen wird, ist selbst Geschichte der Zeit; die Gegenwart also unmittelbarer Teil der Geschichte.
Was vergangen ist, ist die Vorgeschichte der Gegenwart: in ihren Bedingungen, Ursachen, Voraussetzungen und Traditionen. Heute glauben wir zu erkennen, dass die Welt nicht ein Ort ist, der Schicksalsgöttern einfach ausgeliefert sei. Wir gestalten unseren Alltag mit, müssen unser Tun mitverantworten, weil wir in einer demokratischen Gesellschaft an den politischen Entscheiden teilhaben. Gegenwart und Zukunft erkennen wir als Schritte einer geschichtlichen Entwicklung. Entsprechend geht die Forderung der Geschichtsdidaktik dahin, den Geschichtsmythos aufzuKLÄREN und zugleich zu beGEISTern. Das könnte heissen: Fakten kennen lernen, Begriffe bilden, deuten lernen, Fertigkeiten entwickeln, kritisch reflektieren, darüber sprechen können. Geschichtsunterricht soll nicht von wertbesetzten Vorentscheiden geleitet werden, sondern selbst Wegbereiter sein zur Fähigkeit des individuellen Urteils.